Wenn Schuhe drücken, weil sie uns nicht richtig passen, ziehen wir sie aus. Das geht einfach mit Sneakers, die zu klein, und Wanderstiefeln, die zu eng sind. Aber was ist mit den Schuhen, in denen wir nur im übertragenen Sinn laufen? Und von denen wir in den meisten Fällen noch nicht einmal wissen, dass wir sie tragen? Diplom-Psychologe, Bestsellerautor und Coach Robert Betz nennt sie die „alten Schuhe“: Gewohnheiten und Muster im Hinblick auf unser Denken, Sprechen und Verhalten, die wir unbewusst von unseren Vorfahren übernommen haben. Sie sorgen dafür, dass wir viel Leid und Schmerz in unserem Leben erschaffen, aber auch Mangelzustände, Konflikte und Krisen. Selbst wenn wir sie erkannt haben, fällt es uns schwer, sie loszuwerden. In unserer Reihe „Dein MUMM-Jahr mit Robert Betz“ erklärt er dieses Mal, wie wir sie erfolgreich abstreifen – ein- und für allemal.

Der Ursprung der alten Schuhe liegt in der Kindheit, ist Robert Betz überzeugt: „Jeder von uns hat schon im jungen Alter eine ‚Anleitung zum Unglücklichsein‘ erhalten. Das gilt selbst für die Familien, in denen die Eltern das Beste für ihre Kinder wollten.“ Wie das passieren kann? Ursache dafür ist das, was die Sprösslinge vorgelebt bekommen haben – von Erziehungsberechtigten, die in den seltensten Fällen glücklich waren. Der Nachwuchs übernimmt in der Regel erst einmal das, was seine Eltern ihm Tag für Tag zeigen. So lernen Mädchen und Jungen, in „alten Schuhen“ durchs Leben zu wandern. „In denen sind schon Generationen vor uns gegangen und haben sich das Leben schwer gemacht. Sie haben gelernt, zu tun, was ‚man‘ eben tut, und zu unterlassen, was ‚man‘ nicht tut. Dieses Wissen reichen sie weiter“, fasst der Diplom-Psychologe seine jahrzehntelange Erfahrung zusammen. So passiert es, dass aus Kindern unbewusste „Normalmenschen“ werden.