Niemand wünscht sich Krankheit, Konflikte und Krisen in seinem Leben. Und doch sind die drei „K“ allgegenwärtig. Woran das liegt? An jedem Einzelnen von uns! Das sagt einer, der sich seit Jahrzehnten genau damit beschäftigt. Denn Psychologe, Bestsellerautor und Speaker Robert Betz ist überzeugt: „Wir alle sind Schöpfer unserer Welt!“ Warum das eine positive Nachricht ist, was es für uns bedeutet und wie wir das Beste daraus machen – darüber spricht er im Interview mit MUMM.

Robert, du sagst, dass wir alle Schöpfer unserer Welt sind und damit auch das Schlechte kreieren, mit dem wir konfrontiert sind. Das klingt erstmal ganz schön hart! Ich sorge doch nicht absichtlich dafür, dass mir Schlimmes passiert! 

Natürlich tust du das nicht absichtlich! Aber tatsächlich erschaffen wir den ganzen Tag – mit unseren Gedanken, Worten und Werken. Und dann kommen auch noch die Gefühle dazu. Wir merken gar nicht, was wir da tun, weil das meiste davon unbewusst abläuft. Es gibt wissenschaftliche Forschung, die besagt, dass nur ein einziges Prozent unserer Gedanken bewusst ist. Wir wissen nicht, was wir tun – das trifft es ziemlich gut! Sonst würden wir keine Krankheiten, Konflikte und Krisen erschaffen. Die Welt da draußen sieht nicht so aus, wie sie aussieht, weil wir blöd sind, sondern weil wir unbewusst denken, sprechen und handeln. 

Du willst genau das ändern und die Menschen zu mehr Bewusstsein motivieren. Wo sollten wir anfangen? 

Wir brauchen zunächst einmal Frieden in unserem engsten Umfeld. Ich sage immer: So wie es in den meisten Familien aussieht, so sieht es auch auf der Welt aus. Wenn ich bei meinen Vorträgen frage, bei wem Eltern, Geschwister und Verwandte alle ein Herz und eine Seele sind, dann meldet sich bei 1000 Zuhörern vielleicht einer. Denn bisher ist es nur eine kleine Minderheit, die zu ihrer Schöpferverantwortung steht, sie zu 100 Prozent übernimmt und im engsten Umfeld damit anfängt, eine bessere Welt zu erschaffen. 

Welche Rolle spielt dabei die Liebe, die ja auch ein großes Thema in deiner Arbeit ist? 

Die Selbstliebe ist für mich die grundlegende Basis für Frieden in der Welt. Wenn Menschen sich selbst lieben, dann können sie auch andere lieben. Das ist etwas Zentrales, auch wenn das heute oft verpönt ist, weil viele die Selbstliebe mit Narzissmus verwechseln. Aber Tatsache ist, dass die Welt eine andere wäre, wenn wir uns alle mit Respekt, Achtsamkeit und Liebe begegnen und uns selbst als Wesen der Liebe ehren und behandeln würden.

Menschen, bei denen es uns schwerfällt, sie zu lieben, nennst du „Arschengel“. Wie kann jemand Arsch und Engel zugleich sein? 

Arschengel sind all jene Menschen, die unser Verstand verurteilt, zum Beispiel als Idioten, Verrückte, Blödmänner oder Schlimmeres. Wir belegen sie mit Eigenschaftswörtern wie „unmöglich“, „unverschämt“, „schlimm“, „fürchterlich“, „schrecklich“, „egoistisch“, „rücksichtslos“ und so weiter. Sie lösen in uns unangenehme Emotionen aus, oft Wut oder Hass, verbunden mit Ohnmacht und Angst, oder auch Neid, Eifersucht und Missgunst. Man kann sie auch „Knöpfedrücker“ nennen, weil sie unsere Gefühlsknöpfe drücken. Aber sie machen uns ein Geschenk, deswegen sind sie Engel. Wir können sie nutzen, um etwas Wichtiges in uns selbst zu erkennen und zu verändern. Dadurch erschaffen wir Frieden in unserem Leben und unseren Beziehungen. Übrigens sind auch wir selbst immer wieder Arschengel für andere. Und das ist in Ordnung so!

Fragen: Heike Thissen