Zur Situation der Flüchtlinge auf Lesbos

Oktober 2019

Auf der Insel Lesbos veranstalten wir seit jetzt 18 Jahren jährlich viele Urlaubs-Seminare, in denen sich Jahr für Jahr über 700 Menschen sehr viel für ihr Leben holen.

Wieder einmal ist in dieser Woche die Insel LESBOS in die Schlagzeilen geraten. Auf dieser Insel leben – ebenso wie auf Samos, Kos und Chios - viele Tausend Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern unter menschenunwürdigen Umständen in völlig überfüllten Lagern. Auf Lesbos sind es zwischen 10.000 und 12.000, darunter Frauen und Kinder (bei einer vorgesehenen Kapazität von 3.000 Menschen). Diese zwei Lager befinden sich 12 km von der Hauptstadt Mytilini und 70 km von unseren Seminarorten Petra und Molivos entfernt.

Junge, verzweifelte Männer legten in dieser Woche ein Feuer in einem der Lager, durch das eine Frau ums Leben kam und versuchten anschließend, die Feuerwehr am Löschen des Feuers zu hindern. Diese Eskalation kommt nicht überraschend. Die Menschen vor Ort, die Bevölkerung und die Hilfsorganisationen haben immer wieder davor gewarnt. Die neue griechische Regierung, seit Juli im Amt, hat „schnelle neue Lösungen“ für die Flüchtlingssituation auf den Inseln versprochen, bisher aber nichts getan. Die Menschen in den Lagern warten dort meist schon seit 2 Jahren darauf weiterzukommen.

Die Bevölkerung der Insel leidet unter dieser Situation ebenso seit Jahren. Durch die oft verzerrende und völlig falsche Berichterstattung in den Medien ist der Eindruck vermittelt worden, man könne doch auf Lesbos nicht seinen Urlaub verbringen. Wer das glaubt irrt sich nicht nur, sondern fügt auch den Menschen auf Lesbos erheblichen Schaden zu. Denn viele der Menschen leben vom Tourismus, d.h. verdienen von Mai bis September das Geld, mit dem sie ihre Familien das ganze Jahr ernähren müssen. Die Arbeitslosenzahl ist extrem hoch und immer wieder wandern junge Menschen aus, weil sie keine Perspektive für sich hier sehen.

Ich freue mich, dass wir die Bevölkerung durch unsere Treue zur Insel all die Jahre unterstützen konnten, indem mehr als 700 Frauen und Männer jährlich an unseren Seminaren auf der Insel teilnehmen. Und wir freuen uns, dies auch im kommenden Jahr tun zu dürfen. Sowohl die Flüchtlinge als auch die Bevölkerung haben unsere Unterstützung und Solidarität verdient. Ich hoffe, dass durch die Vorgänge im Lager Moria jetzt endlich Bewegung hineinkommt und viele der Flüchtlinge bald weiterziehen und eine neue Heimat finden werden.

Im Namen vieler Menschen auf der Insel, die als Fischer, Bauern, Taxi- oder Busfahrer, Kellner, Putzfrauen oder Handwerker ihren Lebensunterhalt dank des Tourismus verdienen, danke ich all unseren Gästen und Seminarteilnehmern für ihre wertvolle Unterstützung und ihr Vertrauen.

Euer